SPIDER PIECE
„She traps things in her web; she embroiders her tiny corner of the universe“
(Rachel Cusk, Louise Bourgeois: Suites on Fabric, 2019)
Miia Rinne, Mirka Raito, Gosia Machon, Niina Lehtonen Braun, Piia Rinne, Alice Chauchat
6. - 15. Februar 2026
Eröffnung: Freitag, 6. Februar 2026, 18–22 Uhr
mit der Live-Installation River Eye von Piia Rinne & Miia Rinne
Tanzstück: Alice Chauchat, Sonntag, 8.2., 17 Uhr
Finissage / Sunday Salon: Sonntag, 15. Februar 2026, 16–19 Uhr
SPIDER PIECE versammelt installative, malerische, performative und musikalische Arbeiten, die sich wie Fäden eines Netzes durch den Raum ziehen. Die Ausstellung denkt die Figur der Spinne nicht als bloße Metapher, sondern als Denk- und Wahrnehmungsmodell: als Wesen zwischen Produktivität und Gefangensein, Fürsorge und Kontrolle, Sensibilität und Ambivalenz.
Ausgangspunkt ist ein Motiv, das in der Kunstgeschichte – nicht zuletzt bei Louise Bourgeois – für die Dualität von Mutterschaft, Körperlichkeit und künstlerischer Arbeit steht. Die Spinne ist fleißig, präzise, ausdauernd; sie webt aus sich selbst heraus Strukturen, die zugleich Schutz, Archiv und Falle sind. Sie bleibt an einen Ort gebunden und erfasst dennoch ihr Umfeld in höchster Aufmerksamkeit.
Die beteiligten Künstlerinnen knüpfen an diese Figur an, ohne sie festzuschreiben. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Intimität und Öffentlichkeit, zwischen inneren Empfindungen und äußeren Strukturen. Wahrnehmung wird dabei nicht als stabiler Zustand verstanden, sondern als etwas Fragiles, Prozessuales – als ein ständiges Spinnen, Lösen, Neu-Verknüpfen.
Miia Rinne entwickelt für den HilbertRaum eine neue Installation, die Elemente ihrer früheren Arbeit Trapez Netz aufgreift und atmosphärisch weiterführt. Klang, bewegte Bilder und Raum greifen ineinander; Audiomaterial aus C-Kassetten wird über Kopfhörer erfahrbar. Wahrnehmung wird hier körperlich, selektiv und unzuverlässig – ein Gewebe aus Erinnerung, Wiederholung und Störung.
Mirka Raito nähert sich dem Raum über das Phänomen ASMR: jenes schwer beschreibbare Kribbeln, das durch Flüstern, Rauschen oder das Beobachten hochkonzentrierter Tätigkeiten ausgelöst werden kann. In ihrer Arbeit untersucht sie ASMR als Grenzerfahrung zwischen Raum, Körper und Aufmerksamkeit – zwischen vorbei rauschender sanfter Euphorie. Zeichnungen, Objekte und Verbindungselemente spannen sich zu einer stillen, aufgeladenen Installation.
Gosia Machon zeigt kleinformatige Arbeiten auf Papier, in denen sich psychische Zustände, Körperbilder und Naturszenerien überlagern. Ihre Bilder wirken zugleich offen und verdichtet – wie mentale Landschaften, in denen sich Begehren, Geheimnis und Ehrfurcht gegenseitig durchdringen.
Niina Lehtonen Braun entwickelt eine installative Anordnung aus Collagen, Objekten, Malerei und Stop-Motion-Animation. Die Arbeiten entfalten sich als räumliches Narrativ aus Bildern, Notizen und Assoziationen, in dem Schichtungen, Brüche und Wiederholungen Körperlichkeit und Erfahrung verhandeln.
Die Ausstellung wird durch performative Interventionen erweitert:
Zur Eröffnung am 6.2. zeigen Miia Rinne und Piia Rinne eine gemeinsame Sound-Video-Performance, in der analoge Kassettenklänge, Tape-Loops und Videomaterial live miteinander verwoben werden.
Am Sonntag, 8.2. performt Alice Chauchat ein Solotanzstück innerhalb der Ausstellung – eine körperliche Auseinandersetzung mit Raum, Zeit und Aufmerksamkeit, die das Netz der Arbeiten temporär in Bewegung versetzt.
SPIDER PIECE versteht den Ausstellungsraum als lebendiges Gefüge: als Ort, an dem sich künstlerische Prozesse, Körper, Klänge und Bilder berühren, verfangen und wieder lösen. Ein Netz, das nicht festhält, sondern sichtbar macht.